Mehr Platz bitte! So vergrößerst Du einen vorhandenen Brustabnäher – Schritt-für-Schritt-Anleitung

Brustabnäher vergrößern Anleitung

Einen bereits vorhandenen Brustabnäher  zu vergrößern ist – einmal verstanden – schnell gemacht und bringt eine soviel bessere Passform. Es lohnt sich also unbedingt, sich damit zu beschäftigen. Aus dem englischen kennt man diese Schnittmusteranpassung unter dem Begriff: FBA – Full Bust Adjustment.

Wann soll der Brustabnäher vergrößert werden?

Die gängigen Schnittmuster sind üblicherweise für CUP B höchstens C konstruiert – das ist bei B-patterns so und auch bei anderen Schnittmustererstellern die Norm, ausser es wäre anders ausgewiesen (z. B. curvy Schnitte). Auch wenn bereits ein Brustanäher vorhanden ist, bedeutet das nicht, dass das Schnittmuster automatisch für alle Cup-Größen passt. Also, Deine CUP-Größe ist größer als CUP B ? Dann fasse die Vergrößerung des Brustabnähers zumindest schon mal ins Auge. Bei Shirts aus elastischen Stoffen, kann man da großzügiger sein aber bei Webware nicht, sie verzeiht nur wenig.

 

Auswahl der richtigen Ausgangsgröße beim Anpassen an große Oberweite

Die Ausgangsschnittmustergröße für die Brustanpassung kann nicht – wie üblich – nach Deinem Brustumfang bemessen werden. Würdest Du das machen, erledigt sich die Anpassung. Es passt dann zwar der Brustumfang, aber der Rest des Kleidungsstückes wäre zu groß. Also musst Du Deine eigentliche Konfektionsgröße – ungeachtet des Brustumfanges –  ermitteln. Wie machst Du das? Ich gebe zu, diese Frage ist nicht ganz so einfach und vor allem eindeutig zu beantworten, wie ich es gerne hätte. Versuchen wir es. Wenn Du schon länger nähst und vielleicht sogar schon eines meiner Schnittmuster genäht hast, weißt Du, welche Konfektionsgröße Dir grundsätzlich passt – bis auf den Büstenbereich eben. Ich gebe Dir ein Beispiel: Du trägst üblicherweise eine 38, weil außer dem Brustumfang alles gut passt. Dein Brustumfang entspricht lt. Maßtabelle aber einer 42 (z. B. bei Körbchengröße D oder E). Dann ist Deine Ausgangsgröße die 38, weil hier ja das Schultermaß, die Ärmel und der Hüftumfang stimmen. Nur an der Brust änderst Du die Weite auf das Maß der 42 mithilfe der FBA. Bei normalen Proportionen ist auch das Hüftmaß bzw. Taillenmaß ein guter Ausgangspunkt für die Größenwahl – natürlich nicht, wenn Du weißt, Deine Hüfte ist eher schmal oder besonders ausladend ist, im Vergleich zum sonstigen Körperbau.

Zusammengefaßt lässt sich sagen, man muss einschätzen, welche Konfektionsgröße man bei „Norm-Busen“ hätte. Von dieser Größe geht man bei der Änderung aus.

Eine weitere Möglichkeit, die Ausgangsgröße für die Schnittmusteranpassung großer Oberweite festzulegen, ist es, den Oberbrustumfang zu messen (mit BH). Führe dazu das Maßband unter den Achseln durch und oberhalb der Brust einmal um den Körper. Nimm diesen gemessenen Wert als Deinen angenommenen Brustumfang an und wähle die Ausgangsgröße für die Schnittmusteränderung in der Maßtabelle danach aus.

Oberbrustumfang messen

Mein Vorschlag: Überlege zuerst anhand Deiner Passformerfahrungen als Hobbyschneiderin, welche Größe Du grundsätzlich für Dich als richtig empfindest und überprüfe dann mit der 2. einfacheren Methode, ob Du auf denselben Wert kommst.

So geht das mit der Vergrößerung des Brustabnähers bei bereits vorhandenem Brustabnäher

Schritt 1 – Brustumfang messen

Bestimme Deinen Brustumfang an der stärksten Stelle der Brust (meistens auf Höhe der Brustwarze) – halte das Maßband möglichst waagrecht.

Brustumfang für FBA messen

RECHNE: gemessener Brustumfang – Brustumfang der Ausgangsgröße (Körpermaß lt. Maßtabelle) /2 und notiere diesen Wert

Schritt 2 – Brustspitze im Vorderteil einzeichnen

Du kannst diesen Punkt entweder durch Messen ermitteln oder aber einfach dadurch, dass Du das Vorderteil des Schnittmusters vor einem Spiegel an Dir anhältst und die Brustspitze markierst.  Das Armloch liegt knapp unterhalb der Achsel und die vordere Mitte sollte gerade sein. Markiere jetzt Deine Brustspitze. Jetzt hast Du auch gleich den für die richtigen Punkt ermittelt, auf den Deine neue Abnäherspitze weisen soll. Und keine Angst, dass der Punkt nicht haargenau stimmt, Du die Abnäherspitze immer noch vor dem Nähen korrigieren.

 

Schritt 3 – Deine Brustlinie im Vorderteil einzeichnen

Nimm Dein Schnittmuster-Vorderteil und lege es auf einen entsprechend großen Bogen Papier. Zeichne das Vorderteil mit Bleistift auf den Bogen (einmal rundum zeichnen). Durch die Brustspitze zeichnest Du eine waagrechte Linie (im rechten Winkel zur vorderen Mitte), die beidseitig etwas über das Vorderteil hinausreicht.  Das ist Deine Brustlinie.

Brustlinie neu einzeichnen - Brustabnäher vergrößern

Schritt 4 – Verlege den Brustabnäher wenn nötig oder mach weiter bei Schritt 5

Verschiebe den Brustabnäher so, dass die Spitze wieder auf der Brustlinie zu liegen kommt. In den meisten Fällen wird dies wohl nach unten sein.

Brustabnäher verschieben

 

Schritt 5 – 2 weitere Linien einzeichnen

Ausgehend vom Brustpunkt zeichne 2 weitere Linien auf Dein Original-Vorderteil:

1. Zum Querzeichen ins Armloch (oder das Armloch dritteln und am Ende des unteren Drittels. Aber ich denke, das macht keinen Unterschied).
2. Im rechten Winkel zur Brustlinie bis zum Saum

FBA Full bust adjustment Anleitung

Schritt 6 – das Vorderteil aufdrehen

Eingeschnitten wird vom Saum durchgehend bis zum Querzeichen im Armloch (hier 2 mm Papier stehenlassen –  nicht durchschneiden) und im nächsten Schritt über den unteren Abnäherschenkel bis zur Brustspitze. Auch hier lässt Du an der Brustspitze 2 mm Papier stehen, so dass die Teile eben noch zusammenhängen. Schiebe im Bereich des Brustpunktes das geteilte Vorderteil um den unter Schritt 1 errechneten Betrag parallel auseinander. Dabei öffnet sich der bereits vorhandene Abnäher zur Seitennaht hin noch weiter. Falte den Abnäher am oberen (“alten) Abnäherschenkel nach oben, so siehst Du den kompletten Abnäherinhalt. Gleiche den Saum aus.

Brustabnäher vergrössern - FBA

Schritt 7 – den Brustabnäher optimieren

Die Spitze vom Brustabnäher ist durch das Verschieben des Seitenteiles verrutscht und sitzt nicht mehr auf der Brustlinie, das mußt Du noch ändern. Ich zeige Dir wie:

Vor dem Spiegel messe von Brustspitze zu Brustspitze – das sind z. B. bei Größe 42 um die 20 cm. Teile diesen Wert: Merke Dir 10 cm (mein Beispiel)

Schritt 1: Trage den eben errechneten Wert (halber Brustspitzenabstand) von der vorderen Mitte beginnend auf der Brustlinie Richtung Brust auf. Du landest irgendwo im Bereich der Schnittlinie, je nachdem wie genau Du den Brustpunkt anfangs getroffen hast. Markiere den Punkt.

Schritt 2: Von diesem Punkt ausgehend immer noch auf der Brustlinie bestimmst Du die neue Abnäherspitze. Optisch ist es gefälliger, wenn der Abnäher nicht zu lang ist. Überlege, wie nah er an der Brustspitze sein soll. 3-4 cm Abstand zur Brustspitze sind ein gutes Maß, finde ich.

Schritt 3: Zeichne den neuen Brustabnäher ein – von der Seitennaht zum eben neu festgelegten Punkt für die Abnäherspitze und wieder zurück zur Seitennaht.

Mögliche Problemstellung nach der Änderung: Mein Abnäher ist sehr groß (tief) geworden und mein Vorderteil ist jetzt ziemlich breit

Bei Figuren mit großem Busen im Vergleich zur sonstigen Konfektionsgröße und möglicherweise noch schmaler Hüfte, schlackert es bei so einer Schnittmusteranpassung im Hüftbereich. Du hast auf jeden Fall die Möglichkeit den Hüftbereich an der Seitennaht verlaufend auf die nächstkleinere Größe anzupassen (Vorder- und Rückenteil) – das machst du optimalerweise schon ganz zu Beginn. Weiters kannst Du einen Abnäher ins Vorderteil zeichnen: Verlaufend vom Saum Richtung Brustspitze. Es ist möglich einen Teil des Brustabnähers in diesen Abnäher zu legen, damit der Brustabnäher nicht zu tief und damit zu spitz wird. Die Form dieses Abnähers ist abhängig vom Modell.

Brustabnäher verkleinern

Abnäher im Vorderteil

Das Abnäherdach berücksichtigen

Umrande nun die neue Kontur und schneide Dein neues Vorderteil aus. Im Bereich des Abnähers/Seite lässt Du bitte Papier stehen. Daraus formen wir das Abnäherdach. Dies ist wichtig, damit die Faltung nachher genau übereinander passt. Im Schnitt können wir es so einfügen, indem wir den unteren Schenkel einschneiden, dann den Abnäher so zusammenfalten, wie wir ihn nähen würden und ihn am oberen Schenkel nach oben klappen.  Schneide entlang der Seitennaht das überschüssige Papier weg. Dabei entsteht automatisch ein sogenanntes Abnäherdach.

 

Ich hoffe, mein Beitrag gefällt Dir und Du kannst danach arbeiten. Auch wenn die Schritte beim ersten Durchlesen wahrscheinlich kompliziert klingen, sind sie es gar nicht. Versuch es einfach einmal und schneide aus einem Probestoff zu, dann kann gar nichts passieren. Wenn Du diese Schnittmusteranpassung  später im Schlaf beherrschst, sparst Du Dir das Probeteil.

Einen weiteren Beitrag zum Thema FBA findest Du unter diesem Link: Große Oberweite anpassen – kein vorhandener Brustabnäher.  Dieser Beitrag enthält mehrere Versionen – der letzte davon ist der allgemein gültige – hilfreich z. B. wenn man einen Brustabnäher in ein Shirt oder in eine Bluse legen möchte.

Diesen Beitrag hat geschrieben:

Ingrid

Modemacherin für Selbernäher

(gelernte Schneiderin mit Designausbildung)

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