Wie man einen Blusenärmel richtig einnäht

Anleitung wie man einen Blusenärmel richtig einnäht

Liebe LeserIn,

hast Du kürzlich eine Bluse aus Webware genäht? Ist Dir dabei aufgefallen, dass der Blusenärmelumfang im Vergleich zum Armloch eine Mehrweite hatte? Das ist nicht etwa ein Fehler im Schnittmuster, das soll so sein. Denn nur so fällt der Ärmel, nachdem er fertig gebügelt wurde, schön und richtig und Dein Oberarm erhält den nötigen Bewegungspielraum. Grundsätzlich kann man sagen: Je höher die Armkugel, desto mehr Mehrweite. Je flacher die Armkugel wird, desto weniger Mehrweite. Doch wie nähe ich so einen Blusenärmel richtig ins Armloch und wohin mit der Mehrweite? Das möchte ich Dir heute zeigen:

Einen Blusenärmel richtig einnnähen (einsetzen)

Vorbereitetende Arbeiten

1. Die Stichlänge auf 4-5 einstellen. Eine Hilfsnaht (im Geradstich) von Querzeichen zu Querzeichen an der Armkugel steppen und zwar in der Nahtzugabe knapp neben der zukünftigen Schließnaht.

2. Die Armkugel leicht einkräuseln (ein Fadenende wird festgehalten, am anderen wird vorsichtig gezogen. Die entstehenden Fältchen gleichmässig mit den Fingern verteilen).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

3. Die Seitennaht schließen und die Nahtzugabe flach auseinanderbügeln (bei Blusen aus feinen Baumwollstoffen werden traditionell die Nahtzugaben einzeln versäubert und auseinandergebügelt, damit sie sich beim Bügeln sowenig wie möglich durchdrücken. Der Einfachheit halber, spricht aber auch nichts dagegen (außer meine sehr geschätzte Nählehrerin), die Nahtzugaben zusammen zu versäubern.)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

4. Die linke Blusenseite nach außen wenden, den Ärmel auf rechts wenden und in das Armloch stecken. Wichtig: der Bereich außerhalb der Hilfsnaht – also bis zu den Quermarkierungen – enthält nie Mehrweite und muss ganz flach im Armloch liegen. Die Mehrweite verteilt sich im oberen Bereich der Armkugel und kann jetzt genau ans Armloch angepasst werden. Im Falle, dass der Ärmel noch zu weit ist: Den Hilfsfaden enger ziehen und die Fältchen verteilen oder bedarfsweise umgekehrt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nun wird genäht!

5. Genäht wird nun von der Ärmelseite. Stichlänge ca. 3 oder kleiner. Beim Kreuzungspunkt der Ärmelseitennaht beginnend steppen. Der Stepp (rot) verläuft ca. 2 mm neben der Hilfsnaht im Teil (nicht in der Nahtzugabe!) Ich arbeite mich langsam Stich für Stich vor und richte dabei immer mit dem Fingern die obere und die untere Stofflage, damit keine Fälten genäht werden. Die Stecknadel ziehe ich jeweils kurz vor dem Drübernähen aus dem Stoff.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Letzte Korrekturen

6. Die Bluse nach rechts wenden und die Naht von außen kontrollieren (Besonders gut geht es auf der Schneiderpuppe). Meistens hat man doch das eine oder andere Fältchen oder auch einen Bogen genäht. Kein Problem! Einfach an den jeweiligen Stellen ein paar Stiche öffnen und nochmal – und diesmal von der Blusenseite (vorher war es die Ärmelseite, weißt Du noch?) –  nachsteppen.

7. Nun folgt das sogenannte Einbügeln der Fältchen mit Dampf. Lege den Ärmel so aufs Bügelbrett, dass Du die Fältchen siehst und bügle nur mit der Bügeleisenspitze Stück für Stück (wichtig: mässig Dampf!) die Fältchen in der Nahtzugabe flach.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nur noch Versäubern

8. Schneide die Nahtzugabe auf 0,8 mm zurück und versäubere (Ausnahme! 🙂 ) die Nahtzugaben zusammen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Und Fertig!

9. Ein letztes Mal von rechts bügeln, die Nahtzugabe weist in den Ärmel. Und jetzt darfst du dich über einen schön eingesetzten Ärmel freuen  😀

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ganz schön viele Details für eine einzige Naht aber wie auch immer, die Ärmelnaht ist eben auch eine besondere Naht.

Alles klar? Wenn nicht, schreib mir gerne. Auch wenn Du noch andere Tipps und Tricks zum Thema kennst. Wie immer ist das nur eine Möglichkeit beim Nähen zu einem guten Ergebnis zu kommen.

Herzliche Grüße

Ingrid B.

Anleitung wie man einen Blusenärmel richtig einnäht

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Schnittmuster Blusenshirt Kim_B gr. 32-48 TunikalängeDein Merkbild für Pinterest!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein schönes Blusenschnittmuster, wo wir genau diese Methode empfehlen und auch anwenden ist das Blusenshirt KIM_B. Eine vielseitige und  ganzjährig nähbare Bluse. Vielleicht möchtest Du Dir ja die Nähbeispiele dazu ansehen?  <KLICK>

16 Antworten hinzugefügt

  1. Barbara 6. Februar 2017 Antworten

    Vielen Dank für diese tolle Anleitung zum Ärmeleinsetzen, sie hat mir sehr bei meiner Bluse geholfen! Vor allem die Hinweise zum Bügeln waren sehr hilfreich für mich. Eine Frage habe ich noch an Dich als Profi: wenn Du die Ärmeleinsatznaht auch französisch machst, würdest Du dann auch zuerst die Seitennaht schliessen? Oder wäre es dann nicht einfacher, erst den Ärmel mit den französischen Nähten einzusetzen und erst dann die Seitennähte der Bluse zu schliessen?
    Auf Deine Bluse freue ich mich schon sehr, der Stoff ist toll!
    LG Barbara

    • Ingrid 8. Februar 2017 Antworten

      Liebe Barbara,
      ich habe hin- und herüberlegt, kann dir aber keine allgemeingültige Antwort zu deiner Frage anbieten. ICH würde grundsätzlich – ausser bei ganz dünnem Material, das durchscheint oder sehr franst (Seide, Chiffon, Batist) – keine französische Ärmelnaht machen – wenn es aber sein muss – dann würde ich wohl zuerst die Armlochnaht arbeiten und zum Schluss alle Seitennähte schließen. Ich freue mich auch schon auf die fertige Bluse, aber derzeit bin ich noch am Zweifeln, ob ich es bis morgen schaffe. Naja, falls nicht, dann eben nächste Woche auf alle Fälle :-). GLG und danke für dein Lob.

  2. Nora 6. Februar 2017 Antworten

    Tolle Anleitung mit guten Bildern, danke! 🙂

    Ich nähe beim Ärmel einsetzen immer erst mal halbwegs rabiat und ohne Rücksicht auf Fältchen drauf los. Also ich versuche schon, sie zu vermeiden, aber mir fällt es leichter, die Naht danach etappenweise noch mal aufzutrennen und nachzuarbeiten. Ist vielleicht nicht ganz die feine Art, hat sich aber bei mir bewährt. 😀

    Ich mochte zwar auch den grauen Stoff, aber das Dreiecksmuster ist so schön und einzigartig!

    LG aus Hamburg!
    Nora

    • Ingrid 6. Februar 2017 Antworten

      Hallo Nora,
      schön von dir zu lesen – ich kenne dich von Insta. Mir gefällt der Ausdruck „rabiat“ sehr gut und wenn das deine Art ist, mit der du gut klarkommst, finde ich das völlig in Ordnung :-). Wie gesagt, es gibt mehrere Wege zum Ziel und was für den einen gut ist, muss es für den anderen nicht sein. Der graue hat mich so blass gemacht, wie gesagt..ich dachte er ist als Rock besser..lieber weg vom Gesicht. Hehe. LG

  3. Super-Tutorial! Deine Bügelschritte sind für mich neu und machen garantiert den Unterschied- ein nicht perfekt sitzender Ärmel ist bei manchen Stoffen richtig auffällig und wirklich das Grauen;-). vielen Dank, jetzt sollte das eigentlich nicht mehr passieren GlG Miriam

    • Ingrid 6. Februar 2017 Antworten

      Hallo Miriam, ich freue mich sehr über dein Lob. Mit dem Bügeln hast du recht. Überhaupt wundere ich mich, dass der Begriff „einbügeln“ so wenig verbreitet ist. Das ist mir schon öfter aufgefallen. Ich werde dran arbeiten, dass diese hilfreiche Technik nicht untergeht. LG

  4. Esther 5. Februar 2017 Antworten

    Hallo Ingrid,
    der Stoff, den du da ausgewählt hast schaut wirklich sehr spannend aus und ich bin schon auf dein Gesamtbild gespannt. Vielen lieben Dank für deine detaillierte Erklärung. Vor Kurzem hatte ich die Herausforderung den Ärmel (ohne jegliche weitere Erklärung) genauso einzunähen, habe es zum Glück intuitiv auch so gemacht. Nur hier bei dir ist mir aufgefallen, dass du zuerst den Ärmel geschlossen und dann eingenäht hast. Das werde ich das nächste Mal auch probieren, weil ich denke, dass es so noch einmal eine Spur leichter ist, den Ärmel optimal an die Armöffnung anzupassen. Danke dir für die Inspiration. LG, Esther

    • Ingrid 6. Februar 2017 Antworten

      Liebe Esther,
      ja das ist völlig richtig, sowohl der Ärmel, wie auch die Seitennaht werden zuerst geschlossen – und zwar um einmal den Sitz des Blusenbodys am Körper beurteilen zu können und zum zweiten den optimalen Sitz der Ärmel. Sind die Ärmel offen, hängen sie ja unmotiviert herum und dann geht das eigentlich nicht. Die offenen Seitennähte kenne ich eher vom Shirtnähen bzw. Raglan. Ich freue mich, wenn ich dir helfen konnte. LG

  5. Nicole Schmidtsdorf 5. Februar 2017 Antworten

    ooch, ich staune und bin begeistert!
    Ein sehr schöner Stoff.
    Mal sehen ob ich doch noch schöne Ärmel nähen werde…
    Du hast mir Mut gemacht mit deiner tollen Anleitung.
    Falls es mir nicht gelingt… suche ich immer noch einen Blusenschnitt mit Raglanärmeln.
    Geht das mit Webware überhaupt!?

    Grüße
    vom Waldschrat

    • Ingrid 6. Februar 2017 Antworten

      Liebe N (alias Waldschrat),
      das freut mich natürlich sehr und mit etwas Übung und Geduld (ist beim 1. Mal ja immer gut :-)), schaffst du es sicher, schöne Ärmel zu nähen.
      Zu deiner Frage: Blusenschnitt mit Raglan und aus Webware ist auf alle Fälle möglich – aber selten. Wenn ich mir erlauben darf, mein Blusenshirt „Meli“ ist auch in Webware möglich, aber es ist eben keine richtige Bluse mit Kragen und Knopfleiste, wie du sie dir wahrscheinlich vorstellst. LG

  6. the pimped fox 5. Februar 2017 Antworten

    Supergenau erklärt! So habe ich das bisher auch gemacht, nur hbe ich die Armnaht manchmal erst hinterher geschlossen. Bei der Chyenne Tunic, die ich im Rahmen des BlusenSA nähe, wird mit französischen Nähten gearbeitet. Mit Flanell genäht fand ich das fast grenzwertig.
    Warum schließt du die Armnaht zuerst?
    GlG Uli

    • Ingrid 6. Februar 2017 Antworten

      Liebe Uli,
      eine französische Naht im Armloch ist sicher anspruchsvoll und mit Flanell sowieso – müßte man materialabhängig entscheiden, ob man das genauso macht. Aber ansonsten sind französische Nähte bei Blusen etwas sehr Schönes. Die Ärmelnaht schließe ich zuerst (ebenso wie die Seitennaht) um den Ärmelsitz an der Puppe oder am Körper optimal beurteilen zu können. Diese Technik kommt aus der klassischen Maßschneiderei und ich habe es so gelernt und auch für gut befunden. Natürlich muss man das nicht zwingend so machen. Es gibt ja immer unterschiedliche Wege zum Ziel zu kommen. In der industriellen Fertigung schließen sie die Ärmel- und Seitennaht am Schluss – aber da werden ja auch tausende Stück genäht – das ist längst ausprobiert und sollte im Idealfall (je nach Anspruch der Marke) auch passen. LG

  7. Bine 5. Februar 2017 Antworten

    Liebe Ingrid,
    herzlichen Dank für dein Tutorial.
    Ja, ja, das Bügeln! Ein Schritt den ich zu gerne überspringe.
    Dann mal auf an die Ärmelnaht.

    Ich wünsche dir einen entspannen Sonntag.
    Sonnige Grüße
    Bine

    • Ingrid 6. Februar 2017 Antworten

      Liebe Bine,
      nachdem die Fotos dann wieder da waren, konnte ich mich auch gut entspannen – das mit dem Umlaut merke ich mir aber jetzt mal endlich ;-). So nett von Dir, dass Du mir extra geschrieben hast. Wie sind den die Ärmel geworden? Ach ja, das leidige Bügeln – meine Lehrerin sagte immer: „Bügeln ist das A und O“ – auf jeden Fall sieht man es den Stücken an, ob und wie oft zwischengebügelt wurde. Im Laden hängen oft Teile – da glaube ich sind die Bügeleisen ausgefallen oder eingespart, hahaha. LG

  8. Hügelring 5. Februar 2017 Antworten

    Vielen Dank für die ausführliche Anleitung zum Einnähen der Ärmel. Für mich als Blusennähneuling ist das sehr hilfreich.

    Ich bin schon auf deine fertige Bluse gespannt.

    • Ingrid 6. Februar 2017 Antworten

      Ich danke dir ganz herzlich für deinen Kommentar und freue mich, wenn ich dir helfen konnte. Elle puls hat übrigens auch gestern eine sehr schöne Anleitung zum Ärmelschlitz online gestellt. Schau sie dir gerne an. LG

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