Jeanstunika mit besonderen Details – Blusenshirt Kim_B

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Liebe LeserIn,

gestern habe ich mich in der Vorankündigung des heutigen Beitrages ja mal wieder ordentlich aus dem Fenster gelehnt. Wo ist denn jetzt das Star Trek Kostüm? Na guck doch mal: DA 😀 . Mit Gürtel und Laserpistole (die Frisur paßt eigentlich schon gut) ginge das doch durch. Man braucht eben Fantasie, so wie ein gewisses männliches Mitglied dieser Familie, das oftmals meine neuen Stücke kommentiert, das aber keinesfalls näher benannt werden darf, nicht mal ansatzweise. Tut mir leid.

So und jetzt in SERIÖS: Longblusen oder Tuniken sind was Feines. Bequem, kaschierend und im Idealfall auch noch lässig. Beim Stofflieferant meines Vertrauens – Lebenskleidung – habe ich schon vor einiger Zeit eine sehr schöne und leichte (170 g/m²) Jeansqualität gefunden, die sich wunderbar für Blusen oder auch Kleider eignet. Dieser Jeansstoff ist nicht nur 100 % Bio, er hat auch noch einen dezenten Glanz, der auch nach der Wäsche nicht verschwindet. Kombiniert mit Schnittmuster Blusenshirt Kim_B in der Longversion ergibt das eine Jeanstunika nach meinem Geschmack 🙂 . Aber irgendwas ist hier anders an Kim_B?

Richtig! Ein paar neue Details habe ich mir dazu noch einfallen lassen, die so nicht in der Nähanleitung stehen – ich will versuchen sie hier näher zu erklären.

Neue Details bei der Jeanstunika
  • aufgesteppte Jeansstreifen an der Schulter
  • offene Verarbeitung am Halsloch (es darf ausfransen) – Raw Sewing (klingt cooler)
  • Seitentaschen
  • Fältchen auch am Ärmelsaum (Wiederholung von der vorderen Mitte)

Am prägnantesten sind sicher die betonten Schulterpartien. Hier habe ich Stoffstreifen (schräg zugeschnitten) gleichmäßig aufgesteppt. Sie legen sich automatisch genauso, wie hier abgebildet, da sie halbkreisförmig aufgesteppt wurden. Nach dem Waschen fransen sie noch etwas mehr aus – aber nicht übermäßig.

Für noch mehr Tragekomfort und weil es zum Jeansstil paßt, habe ich einfache Eingrifftaschen in die Seitennaht gearbeitet. Die Taschenbeutel werden beim Zuschnitt des Vorder- bzw. Rückenteiles gleich mitdrangeschnitten. Bei zuwenig Stoff ist es auch möglich, sie extra zu schneiden und dann dranzusteppen. Es war nötig die Hüftrundung etwas abzuflachen, damit der Tascheneingriff ganz flach gebügelt werden kann. Der Saum ist original.

Welches Garn habe ich zum Absteppen verwendet?

Etwas dickeres Steppgarn (nicht in Bioqualität – konnte ich nicht finden) in kupferfarben. Unterfaden normale Garnstärke. Stichlänge 3,5.

Nähdetails Jeanstunika – wie geht’s genau?
1. Die Schulterbetonung durch aufgesteppte Stoffstreifen

Mithilfe eines Rollcuters oder einer Schere werden gleichmäßige Streifen im schrägen Fadenlauf aus dem Jeansstoff geschnitten. Streifenbreite 1,5 cm. Die Streifen mittig (reche Seite ist innen) zusammenbügeln.

Die Schulternähte der Jeanstunika schließen und beidseitig mit einem Kurvenlineal halbkreisförmige Linien auf den Stoff zeichnen. Ich habe 8 Stoffstreifen angenäht. Beginne am Armloch mit dem kürzesten Streifen. Jeweils mittig entlang der Kreidelinie steppen (rechte Streifenseite ist oben). Die Streifen ragen über die Armlochkante hinaus und werden am Schluß gleichmäßig eingekürzt.

Der letzte Streifen endet im Vorderteil ca. 12 cm von der Schulternaht nach unten gemessen, im Rückenteil sind es nur 10 cm. Je nach Größe und Geschmack kann man auch weniger oder mehr Stoffstreifen aufnähen.

2. Das Halsloch ohne Nahtzugabe offen gesteppt (raw edge sewing)

Der Beleg wird mit nur 3 mm Nahtzugabe am Halsloch zugeschnitten. Die Schulternähte mit französischer Naht schließen. (Bild 2: Beleg mit linker Seite. Schwarz=Vlieseline)

Der Halslochbeleg blitzt nun ca. 3 mm vor. Das Halsloch wurde doppelt abgesteppt: 0,2 und 0,5 cm

3. Seitenschubtaschen zufügen

Das originale Schnittmuster hat keine Taschen. Aber es ist wirklich keine Hexerei einfache Schubtaschen in die Seitennaht zu integrieren. Man zeichnet sich einen Taschenbeutel (siehe Foto) frei Hand auf ein Papier. Lege Deine Hand darauf – sie sollte bequem Platz haben.

Verbesserung gegenüber Foto unten (habe ich auch erst beim Nähen bemerkt, nach dem Zuschnitt versteht sich): Flache den Hüftbogen etwas ab, sodaß der Taschenbeutel passgenau angesetzt werden kann und schneide, dann den Beutel mitdran (oder extra, wenn der Stoff nicht reicht: Nahtzugabe nicht vergessen).

Die Seitennähte und der Taschenbeutel können in einem Durchgang gesteppt werden. Die Tascheneingriffsenden müssen verriegelt werden (von innen oder außen möglich).

4. Ärmelsaum mit Falte

Überlege, wo du die Falte gerne hättest, auch kannst Du die Tiefe anders bestimmen – das ist schlußendlich vom persönlichen Handgelenksumfang abhängig. Bei Größe 40 habe ich die Falte 2,5 cm tief und 5 cm hoch (inkl. Nahtzugabe) abgesteppt). Der Falteninhalt wird beim Bügeln nach vorne gelegt.

Hier siehst Du ganz genau, dass ich die Falte von der vorderen Mitte auch am Ärmelsaum wiederholt habe. Das Ärmelschnittmuster wurde dazu nicht verändert, die Falte ist 2,5 cm tief und liegt ca. mittig am Saum. Auch gut zu erkennen: Die Verriegelung des Tascheneingriffs.

Zuguterletzt ein Foto der gewaschenen Bluse. Die Ränder sind geringfügig mehr ausgefranst – so wie ich es erwartet habe und auch schön finde. Das Foto zeigt auch den matten Schimmer des Jeansstoffes sehr schön.

Die kürzlich genäht Cambag Tessa von Crearesa aus Leder trage ich sehr gerne dazu. Willst Du mehr darüber lesen, wie ich sie genäht habe? Hier kannst Du es nachlesen KLICK.

Es macht Spaß Schnittmuster abzuwandeln – oft reicht schon ein kleines Detail und ein neuer Stoff und alles wird anders. Das ist einer der ganz großen +Punkte unseres Hobbies. Es lohnt sich seine Lieblingsschnittmuster genau anzuschauen und zu überlegen, ob man es nicht auch noch anders umsetzen kann.

Den Jeansstoff von Lebenskleidung jedenfalls finde ich so klasse, das ich ihn auf jeden Fall nochmal vernähen möchte. Für mich ein echter Klassiker, der hoffentlich noch lange im Programm bleibt.

live long and prosper and stay inspired

Ingrid B

Das Schnittmuster Blusenshirt Kim_B findest du HIER

Jeansstoff Bio Denim IBIZA Lebenskleidung.com HIER

Einige Fotos aus dieser Serie wurden übrigens bei Lichtpunkt.cc in Stuttgart gemacht. Das schraubt jetzt das Level für künftige Beiträge künstlich hoch. Aber diesem Druck werde ich leider leider nicht standhalten können. Aber ich verspreche, I’ll do my best – so oder so.

 

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13 Antworten hinzugefügt

  1. Major Ingrid, damit beamst du mich in die abenteuerlichsten Vorstellungen von Blusenvarianten… sowas mussmussmuss ich in diesem Universum auch haben- wird sofort in mein SewLogbuch eingetragen

    • Ingrid 22. Januar 2018 Antworten

      Liebe Miriam, wunderbar, wenn ich Dich inspirieren konnte. Es ist soviel mehr möglich, beim Nähen, als man auf den 1. Blick meint. Sehen, Staunen, Merken und neu interpretieren – irgendwann, wenn es paßt! Ich freu mich jetzt schon drauf.

  2. Birgit Loewin.g 13. Januar 2018 Antworten

    Wow… das sind tolle Ergänzungen… Übrignes mit der ersten Bluse für meine Tochter bn ich abgeschmettert… es hat ihr nicht gefallen und ich war auch nicht ganz überzeugt… Es lag am falschen Material … Ich gebe nicht auf und werde es nochmals mit Modaljersey versuchen, da fühlt sie sich bestimmt wohler.
    Deine persönlichen Tipps haben mir auf jeden fall sehr weiter geholfen.
    GLG Birgit

    • Ingrid 22. Januar 2018 Antworten

      Liebe Birgit, es ist nicht einfach, seine Töchter mit selbstgenähtem zufrieden zu stellen. Das weiß ich aus eigener Erfahrung, sie haben eben ihre ganz eigene Vorstellung und das sei ihnen auch zugestanden. Bewundernswert finde ich, dass du es trotzdem nochmal versuchen willst. Modaljersey ist schön fließend – das sagt Ihr hoffentlich zu. Gerne habe ich Dir weitergeholfen. Also viel Erfolg beim nächsten Versuch. GLG Ingrid

  3. Janine Fink 12. Januar 2018 Antworten

    Liebe Ingrid! Deine Jeansbluse finde ich total fesch! Sieht richtig klasse aus. Die neuen Details machen sie wirklich zu etwas ganz Besonderem. LG Janine

    • Ingrid 22. Januar 2018 Antworten

      Hallo Janine, wie schön von Dir zu lesen. Ich freue mich sehr, dass Dir meine Interpretation gefällt – ab und zu schau ich mal gerne, was noch so geht, bei so einem schlichten Schnitt wie Kim zum Beispiel. Liebe Grüße nach Graz

  4. desi*d 11. Januar 2018 Antworten

    Sehr cool! Den Stoff muss ich mir gleich mal anschauen.
    LG Desiree

    • Ingrid 22. Januar 2018 Antworten

      Danke liebe Desiree, liebe Grüße an Dich

    • Ingrid 22. Januar 2018 Antworten

      Hallo Anke, so ist es gedacht. Die Technik ist universell einsetzbar – der Stoff muss halt stimmen – also vorher eine Nähprobe (und am Besten auch Waschprobe) machen.

  5. Christine Nätscher 11. Januar 2018 Antworten

    Wow… ein tolles Teil und ein tolles Tutoring dazu. Danke fürs Zeigen.
    Liebe Grüße
    Christine

    • Ingrid 22. Januar 2018 Antworten

      Hallo Christine, habe ich sehr gerne gemacht – lieben Dank für Deinen Kommentar. Liebe Grüße zurück

  6. Doro 11. Januar 2018 Antworten

    Liebe Ingrid,

    kann ich die bitte haben?!! Die ist so cool geworden!!!

    Liebe Grüße!
    Doro

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