Meine Schneidergene

IMG_0733 Kopie

Warum wir sind, was wir sind – wer weiß das schon. Vielleicht liegt es ja an meinem Großvater, daß ich mich vor vielen Jahren entschied, eine Ausbildung als Schneiderin zu machen. Mein Großvater mütterlicherseits war nämlich Schneidermeister mit eigener Werkstatt. Ich habe ihn leider nie kennengelernt, da er schon lange vor meiner Geburt verstorben ist. Er hatte eine schwere Erkältung und arbeitete trotzdem weiter. Die bestellten Kleidungsstücke sollten fertig werden. Das hat er dann leider nicht mehr erlebt (oder überlebt) – seine Erkältung wurde zu einer Lungenentzündung, an der er schlussendlich starb. So hat es mir mal meine Oma erzählt. Aber die Gene (Frage: Gibt es ein Schneidergen?) hatte er weitergegeben – wie gut.IMG_0734 KopieIMG_0737 KopieDieses Bügeleisen ist zusammen mit einem verbeultem Fingerhut (der zum Zeitpunkt des Fotos leider in einer Schublade lag…) eine mir sehr liebe Erinnerung an ihn. Es funktioniert ganz ohne Strom. Man kann es an der Rückseite öffnen und mit dem Eisenklotz, den man vorher wohl in der Glut erhitzt hat, befüllen.IMG_8809 KopieAls Kinder liebte ich es am Dachboden meiner Oma herumzuschnüffeln und ich erinnerte mich, da einen großen hölzernen Zuschneidetisch, Bügeleisen, Schneiderzeitschriften aus den 50ern, Knöpfe usw. gesehen zu haben. Jetzt, Jahre später wollte ich sehen, was davon noch übrig war. Nicht viel wie man auf den Fotos sieht. Die Spinnen und Mäuse haben das Regiment übernommen.IMG_8806 Kopie

IMG_8811 KopieDie nächste Bügeleisengeneration war bereits elektrisch! Und was ist das Ding im Hintergrund? Eine Wurstpresse glaube ich.IMG_8815 Kopie

IMG_0757 KopieDieser Katalog für Schnittmuster, mit seinen eleganten Zeichnungen, ist noch ganz gut erhalten.IMG_0758 Kopie IMG_0756 Kopie

Der Meisterbrief hat sich auch noch angefunden –  in der Holzhütte – schon leidlich mitgenommen. Ich werde ihn jetzt neu rahmen und er bekommt einen Ehrenplatz bei mir.IMG_8830 Kopie IMG_8832

IMG_8819 KopieHier in diesem schnuckeligen Landhaus war die Schneiderwerkstatt – hinter den beiden Fenstern rechts im Bild. Meine Großeltern haben es selber aus Feldsteinen gebaut und Apfelbäume davor gepflanzt.

Ich hoffe dieser kleine persönliche Einblick und Ausflug in meine familiäre Vergangenheit gefällt euch.

Herzliche Grüße, Ingrid

verlinkt beim wunderbaren Macromontag

 

 

8 Antworten hinzugefügt

  1. Ingrid 6. Mai 2015 Antworten

    Hallo Ingrid, ja es gibt „Schneidergene“ da bin ich mir sicher. Auch wenn diese manchmal verloren im Gengewusel anfangs übersehen werden. Schöne Geschichte mit deinem Opa. Auch ich habe schon als Kind mein „Schneidergen“ entdeckt. Meine Ur- Oma und Oma waren im Ruhrgebiet Weißnäherinnen mit einem kleinen Geschäft für Wäsche und was sonst noch zu diesem Thema gehört. Leider hat meine Oma wegen der großen Not 1918 das Ruhrgebiet verlassen und aufs Land gegangen, geheiratet, 12 Kinder bekommen und die Weißnäherei nur noch zur eigenen Nutzung ausgeübt. Meine Ur-Oma habe ich leider nie kennen gelernt. Hätte gerne etwas gestalterisches gelernt, da ich mir mit 14 meine Kleidung schon selbst genäht habe.Mußte dann aber so einen Sozialkram studieren und bin jetzt nach 37 Jahren ausgestiegen. Seit einem Jaht befasse ich mich wieder autodidaktisch mit meiner Passion Nähen, Sticken, Häkeln und verbinde oft die unterschiedlichen Techniken miteinander. Auf der Leiter der Perfektion bin ich aber mal gerade (nach Selbsteinschätzung) auf 2 von 10 gelandet. Habe also noch einen weiten Weg vor mir, bis ich mit meinen Ergebnissen voll zufrieden bin. Aber ohne den ersten Schritt wierd man das Ziel nie erreichen. Ich übe ständig neu. Vielen Dank für die Inspirationen. Herzliche Grüße Ingrid #95

    • b-patterns 7. Mai 2015 Antworten

      Hallo liebe Ingrid, schön dass ich dich jetzt hier als Leserin entdecke. Ich mag dieses Thema und die schönen alten Geschichten, die damit verbunden sind. Danke vielmals, dass du mir die deiner Oma bzw. Uroma erzählt hast. Und es ist sicher richtig, daß du wieder mit dem Handarbeiten begonnen hast. Mach einfach weiter und du wirst sehen, du wirst viel Freude und Befriedigung daraus ziehen – das kann ich aus eigener Erfahrung sagen. Es grüßt dich herzlichst, Ingrid

  2. sabine Jerabek 8. März 2015 Antworten

    Hallo Ingrid,
    durch Zufall bin ich auf deine Seite gestoßen. Deine Geschichte hat mich sehr berührt. Ich kann deine Freude am Dachboden deiner Großeltern gut verstehen. Ich habe eine alte Nähkiste von meiner Oma. Darin habe ich nichts verändert .Es ist für mich jedesmal wie Weihnachten, wenn ich den Kasten öffne und mir vorstelle was meine Oma allesdamit erschaffen hat.
    Ich denke auch das solche Gene vererbt werden. Meine Mutter hatte mit Handarbeit wenig am Hut. Ich habe mich schon als Kind dafür interessiert. Meine Oma war Schneiderin und mein Opa Schreiner.
    Schön, dass es solche Menschen wie dich gibt, die einem wieder in die „alten Zeiten“ eintauchen lassen.
    Ich wünsche dir alles Liebe
    Sabine

    • b-patterns 8. März 2015 Antworten

      Liebe Sabine, es ist mir eine aufrichtige und seltene Freude, die Seele eines Menschen zuberühren. Auch für mich sind deine Zeilen ein Geschenk. Danke dafür und alles Liebe und Gute wünscht dir Ingrid

  3. Jacky 7. März 2015 Antworten

    Schon allein wieviel Liebe in dem Meisterbrief steckt…schön, dass Du etwas von seiner Schneiderliebe mitbekommen hast. So wiederholt sich alles.
    LG Jacky

    • b-patterns 8. März 2015 Antworten

      Liebe Jacky, ja – mit jedem Jahr kann ich meine „Gaben “ mehr und mehr schätzen. So sind wir verstrickt mit unseren Vorfahren mit unserer Vergangenheit. Danke für deine lieben Zeilen. Ingrid

  4. Anke 3. März 2015 Antworten

    Hallo Ingrid,
    Dein Post spricht mir aus der Seele. Und ja, es gibt das Schneidergen. Mein Urgroßvater und eine Tante mütterlichseits und mein Großvater väterlich waren Schneidermeister. Und nachdem mir das Nähen und hantieren mit schönen Stoffen schon als Kind viel Spaß gemacht hat, lernte auch ich, allerdings auf Umwegen, das Schneiderhandwerk. Nachdem ich dann einige Jahre als Schneiderin gearbeitet habe, meinte ich, es müsste eine Veränderung her und machte etwas anderes. Mittlerweile ist das Nähen zu meinem geliebten Hobby geworden. Ein Tag ohne meine Nähmaschine gibt es so gut wie gar nicht.
    Ich finde es toll, dass Du so viele Erinnerungsstücke an Deinen schneidernden Großvater hast.
    Sonnige Grüße
    Anke

    • b-patterns 3. März 2015 Antworten

      Liebe Anke, genau das ist es, was ich so am Internet schätze. Es finden sich Menschen mit ähnlichen Geschichten, die sich sonst wohl nie berührt hätten. Danke für deine Zeilen. Liebe Grüße
      Ingrid

Schreibe einen Kommentar